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Automatikuhren Test, Vergleich & Ratgeber 2021

Piaget

Georges Piaget, der die Firma 1874 gründete, wurde im März des Jahres 1855 in eine Bauernfamilie geboren. Sein Kindheitstraum ist es, später einmal Entdecker zu werden und sich im fernen Amerika niederzulassen. Sein brillanter Geist führt ihn jedoch im Laufe der Zeit dazu, sich mit der Uhrmacherei zu beschäftigen. Seine erste Werkstatt richtet er auf dem väterlichen Bauernhof in La Choteaux-Fees ein.

Georges Piaget fertigt, wie auch viele andere Uhrmacher, Einzelteile an Skelettuhr von Piagetund fügt sie mit anderen Teilen zu fertigen Uhren zusammen. Aus dieser Arbeit entsteht der Wunsch, alle Komponenten im eigenen Betrieb selbst herzustellen. Er ist von dieser Idee so fasziniert, dass er sein bäuerliches Dasein aufgibt und sich daranmacht, seinen Traum zu verwirklichen.

Das Zifferblatt seiner ersten Uhr trägt den Schriftzug „Piaget & Co“, wobei der Zusatz für seine Söhne steht. Er hat sieben Söhne, aber nur Timothee ist wirklich für die Uhrmacherei talentiert. Er ist es auch, der im Jahre 1911, nach einer Laufbahn als Gärtner und Mechaniker, die Verantwortung für den Betrieb übernimmt, nachdem der Vater aufgrund seiner Zuckerkrankheit erblindet. Timothee wandelt daraufhin die Firma in eine Offene Handelsgesellschaft um, an der er Vater und Brüder beteiligt.

Die Arbeit nimmt zu, und bald reicht die Werkstatt nicht mehr aus, so dass man das „Cafe Francais“ erwirbt und die Manufaktur aus den Räumlichkeiten der Freien Evangelischen Kirchengemeinde, die sich im Erdgeschoss ihres Bauernhofes befinden, dorthin umsiedelt. Wie auch sein Vater, bringt es Timothee zu einer stattlichen Nachkommenschaft. Von zehn Kindern sind jedoch nur zwei, Gerald und Valentin, für den eigentlichen Erfolg der Manufaktur verantwortlich, deren Leitung sie als Präsident bzw. Vizepräsident übernehmen.

Im Jahr 1945 (der kleine Familienbetrieb ist mittlerweile zu einer bedeutenden Uhrenmanufaktur aufgestiegen) beschließt Gerald E. Piaget den Bau eines Firmengebäudes, da er mit dem Gedanken spielt, in Genf ansässige Hersteller von Gehäusen, Armbändern und Zifferblättern in sein Unternehmen zu übernehmen. Die so erreichte Eigenständigkeit verkürzt die Fertigungszeiten und lässt somit mehr Spielraum für die Produktion von Juwelenuhren der gehobenen Preisklasse. Von beiden Brüdern ist Valentin eher technisch orientiert und spezialisiert sich auf ultraflache Werke; der später aufkommenden Quarzelektronik ist er ebenfalls nicht abgeneigt.

Kurz nach Ende des Krieges widmen sich Gerald und Valentin mit ihrer aktuellen Kollektion neuen für sie unbekannten Märkten und ernten in der ganzen Welt uneingeschränkt Anerkennung. Man konzentriert sich auf die Anfertigung von Damenuhren, produziert im gleichen Zuge aber immer anspruchsvoller werdende Herrenmodelle. Neben der Technik spielt bei Piaget die Ästhetik eine überaus wichtige Rolle, was sich nicht nur in ihren Schmuckuhren widerspiegelt, sondern sich später auch in einer reinen Juwelenkollektion zeigt.

Auf technischem Gebiet ist das 9-linige ultraflache Werk 9P eine wahre Revolution. Das Gehäuse, in das dieses Werk eingesetzt wird, ist zwar klein, ermöglicht aber dennoch das bequeme Ablesen der Uhrzeit. 1960 folgt ein noch revolutionäreres Automatikwerk: das Kaliber 12P mit einer Gesamthöhe von 2.3 mm.

Die Eröffnung eines Juweliergeschäftes in Genf im Jahre 1959 vermag den Verkaufserfolg noch weiter zu steigern, und 1961 gründet man die erste Auslandsfiliale, die deutsche Piaget GmbH mit Sitz in Offenbach. In der Zeit des Wirtschaftswunders lernen die Deutschen die Eleganz der Piaget Modelle zu schätzen. 1985 kann die Filiale mit 500 Exemplaren einen Umsatz von fünf Millionen Mark verbuchen. Auch die Muttergesellschaft erzielt hervorragende Umsätze. Die Preise für die kostbaren Uhren sind dementsprechend hoch.

Bedenkt man, in welcher Qualität und Quantität Zifferblätter, Lünetten und Armbänder mit Edelsteinen besetzt sein können, so existieren praktisch keine Preisgrenzen. Bei Piaget verarbeitet man jährlich mehrere Tonnen 18k Gold nicht nur für Gehäuse und Armbänder, sondern auch für Zifferblätter, Kronen und Zeiger. Die Summen für den Kauf Tausender von Edelsteinen erreichen schwindelerregende Dimensionen. Form und Design nehmen einen immer größeren Stellenwert ein.

Man sucht nach optimalen Proportionen, lässt Armbänder mit den Gehäusen verschmelzen und es entstehen noch nie dagewesene Detaillösungen. Das Erfolgsrezept des Unternehmens liegt in der Fähigkeit, alle noch so anspruchsvollen Wünsche der Kunden erfüllen zu können und in der Firmenphilosophie, jedes Modell in limitierter Auflage oder als Einzelstück anzufertigen. Das Unternehmen Piaget bleibt in seiner Geschichte immer in Familienbesitz.

Yves und Olivier, Söhne von Gerald, sowie Philippe, Christian und Gabriel, Söhne von Valentin, die sowohl auf technischem als auch kaufmännischem Gebiet über spezielle Kenntnisse verfügen, treten als Abteilungsleiter in die Firma ein. 1964 erhält das Unternehmen Baume & Mercier von Piaget finanzielle Unterstützung und somit kann das traditionsreiche Haus vor dem Verkauf bewahrt werden. Gemeinsam ist man nun in der Lage, die breitgefächerte Nachfrage abzudecken.

Ende der sechziger Jahre tritt Piaget der CEH (Centre Electronique Horloger) in Neuchätel bei, die sich mit der Entwicklung von elektronischen Werken befasst, und 1976 gelingt es der Manufaktur, ein sehr flaches Quarzwerk, das Kaliber 7P, mit Realzeitspeicher zu produzieren, das es möglich macht, auch ohne Batterie die Zeit abzulesen und schnell von einer Zeitzone in die andere zu wechseln. Fünf Jahre später kommt das Quarzkaliber 8P mit elektronischer Zeiteinstellung und elektronischem Zeitzonenwechsel auf den Markt. Trotz Elektronik vergisst man nicht die traditionellen mechanischen Werke.

So entsteht 1982 das Kaliber 20P mit manuellem Aufzug und einer Gesamthöhe von 1,2 mm, gefolgt 1983 von dem Kaliber 25P, einem Automatikwerk von nur 2 mm Höhe. 1986 schließ lieb produziert man ein Werk mit ewigem Datum, das in der Kollektion „Polo“ eingesetzt wird. Die Linie „Dancer“ wird ein Bestseller, und die klassische Kollektion „Protocole“ stößt ebenfalls auf sehr große Resonanz.

Der Ruf der Marke Piaget gründet sich vornehmlich auf die fantastischen Juwelenuhren, die fast immer als Einzelstücke angefertigt werden, wie beispielsweise die Aura, deren Diamanten in der Version für Damen ein Gewicht von 32 Karat und in der Version für Herren von 63 Karat besitzen. 176 bzw. 273 reinste Diamanten in Smaragdschliff werden verwendet. Das Armband weist eine miniaturisierte Schließe auf, die ein Meisterwerk höchster Goldschmiedekunst ist. Von ebenso großer Faszination sind die Galaxy, für die ein flaches mechanisches Werk zum Einsatz kommt und sie mit 316 Diamanten von insgesamt 42 Karat besetzt ist, und die Ermitage, eine begeisternde Skelettuhr, für die man als Grundmaterial Bergkristall auswählt, das mit 300 Diamanten und 152 Rubinen dekoriert ist.

Besonders erwähnenswert sind natürlich die Zifferblätter aus Mineralgestein wie Onyx, Lapislazuli oder Malachit. 1988 tritt Piaget der Gruppe Cartier Monde bei, behält aber Yves Piaget als Präsidenten. In den darauffolgenden Jahren nimmt das Design einiger Kollektionen sehr moderne Züge an, die sie von Beglichen Stilrichtungen abheben. Die Tanagra ist dafür ein sehr gutes Beispiel, während die Gouverneur eher dem klassischen Stil entspricht.

Im Jahr 1992 organisiert Piaget in Mailand eine Retrospektive mit 200 Exponaten. Ausgestellt werden wunderschöne Soiree-Uhren. Unter ihnen befindet sich eine Taschenuhr in einem Double-Gehäuse, besetzt mit 1094 Brillanten, und eine Uhr mit gewölbte eckigem Gehäuse aus poliertem Gold deren Boden mit Blumenmotiven aus Cloisonne-Email dekoriert ist. Eine andere Uhr, die für einen Jazzpianisten angefertigt wurde, verfügt über ein Armband in Gelbgold mit miniaturisierten Klaviertasten aus Onyx und Perlmutt. Ebenfalls eine Besonderheit stellt eine Uhr in Form eines Buches dar, die von Piaget auf Wunsch des Krimiautors Frederic Dard in Auflage von 20 Exemplaren angefertigt wird. Alle Modelle sind als Einzelstücke gedacht.

Auf der Ausstellung ist auch Spieluhr aus dem Jahr 1957 zu sehen. Der Druck auf einen Knopf lässt eine Schlange aus einem Gebüsch hervortreten und die Uhrzeit anzeigen. Ein Vogel fliegt auf der Minutenskala während andere die Sekunde anzeigen.

Der „Schlangenbeschwörer“ ist mit kostbaren Emailverzierungen dekoriert; auf dem Gehäuseboden ist Löwenjagd abgebildet. Dieses Meisterwerk wurde von dem Genfer Uhrmachermeister Louis Cottier und ebenfalls aus Genf stammenden Emailiermeister Carlo Poluzzi geschaffen.