Skip to main content

Automatikuhren Test, Vergleich & Ratgeber 2021

Junghans

Die wechselvolle Geschichte der „Uhrenfabriken Gebrüder Junghans AG , beginnt im Jahre 1861. Die Zeiten sind damals, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, auch im Schwarzwald alles andere als rosig, und viele Einwohner sehen sich dazu veranlasst, in die Neue Welt zu emigrieren. Unter denen auch Franz Xaver Junghans, der 1845 den „großen Teich“ überquert. Mit den Auswanderern kommt unter anderem das Geheimnis der Schwarzwalduhren nach Amerika, was sich die Amerikaner zu nutzen machen; in Massenproduktion hergestellte Schwarzwalduhren exportieren sie nun wieder nach Deutschland.

Dazu berichtet die Reutlinger Gewerbekammer: Um dem Eindringen vorzubeugen, haben einige Fabrikanten in Schramberg damit begonnen, die Fabrikation amerikanischer Uhren nach amerikanischem Prinzip einzuführen und bereits Proben gefertigt, die an einem glücklichen Erfolg kaum Zweifel lassen. Einer, dem der glückliche Erfolg beschieden ist, ist Erhard Junghans, der Bruder des Auswanderers, der bis dato eine Strohhutfabrik betrieben hat.

1861 macht er seinem Bruder das Angebot, in Amerika Maschinen und Werkzeuge zu besorgen und als Partner in die Firma einzusteigen. Damit ist der Anfang des Unternehmens Gebrüder Junghans gemacht. Die erste Produktionspalette umfasst noch keine kompletten Uhren, sondern lediglich Holzgestelle, Zeiger, Pendellinsen, Drahthaken, Scharniere, Holzkästen und sonstige Bestandteile für die traditionellen Schwarzwälder Großuhren. Wie weit sich die Brüder in jenen Jahren schon mit dem Gedanken an eine Herstellung kompletter Uhren auseinandergesetzt haben mögen, lässt sich heute leider nicht mehr nachvollziehen.

1862 treffen zuerst die Maschinen und einige Zeit später auch der Bruder wieder in Schramberg ein. Die Herstellung von Uhrenteilen auf „amerikanische“, also serielle Art beginnt. Schon bald erfreuen sich die so gefertigten Uhrenteile wachsender Beliebtheit bei den Heimuhrmachern der Region. Bereits 1866 präsentiert Junghans der königlichen Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart drei komplette Uhren als Muster einer Produktion nach eben dieser amerikanischen Art mit traditionell herzustellenden Werken aus Metall. Erhard Junghans‘ „Amerikaner-Uhr“ ist billig und für die Zeit ungewöhnlich präzise. Mit anderen Worten: sie ist ein riesiger Erfolg.

1870 stirbt Erhard Junghans. Zu diesem Zeitpunkt fertigen 100 Mitarbeiter bereits circa 100 Uhren täglich. Nach seinem frühen Tod geht sein Sohn Arthur sofort nach Amerika. Was er da tagsüber an neuzeitlichen Produktionsmethoden lernt, zeichnet er nachts gewissenhaft auf. Nach zwei Jahren kehrt er in den heimatlichen Schwarzwald zurück voller Ideen und Pläne; und er hat neue Maschinen dabei. Damit steht dem endgültigen Durchbruch nichts mehr im Wege. Junghans entwickelt, was für jedermann das Industriezeitalter einläutet – den ersten serienmäßig gefertigten Wecker.

Nachdem Arthur Junghans nach seiner Rückkehr die Leitung der Firma übernommen hat, gelingt es ihm, das Unternehmen aus den anfänglich bescheidenen Verhältnissen herauszuführen und Junghans zu einer veritablen Uhrenfabrik zu machen. Dazu trägt sicherlich der Umstand bei, dass Arthur ein ebenso rühriger wie begabter Erfinder ist. Er entwickelt Maschinen, mit deren Hilfe er neue Regulatoren und Marineuhren baut. Er vollendet die Maß- und Toleranzlehre und vereinigt amerikanische Massenproduktion mit „deutscher Wertarbeit“.

Sein Bruder, Erhard jun., ist es, der diesmal eine Passage auf einem Dampfer nach Übersee bucht. Junghans MinivoxVollgepackt mit Uhren für Amerika, Afrika und Asien versucht er, den Export anzukurbeln. Junghans‘ Stern geht in der Welt auf. 1893 begeben sich Arthur und Sohn Erwin nach Chicago, um sich auf der Ausstellung über neue Materialien, Produktionstechniken und Modelle zu informieren. Zur gleichen Zeit tobt sich in Europa der Historismus aus. Säulen, Kapitelle, Fialen, Karyatiden, Kugeln, Medusen und Pilaster prägen den Zeitgeschmack der der „Amerikaner Uhr“ keinen Raum mehr bietet.

1900: Arthur Junghans zieht sich zurück und legt die Zukunft des Unternehmens in die Hände seiner Söhne Erwin und Oskar. Sie erkennen die Zeichen der Zeit und expandieren. Überall auf der Welt schießen Filialen aus dem Boden, in Amerika, Argentinien, Österreich, in Venedig und Paris. Und dann ist es endlich soweit, 1903 bringt Junghans die erste Taschenuhr auf den Markt und darf sich auch gleich „größte Uhrenfabrik der Welt“ nennen. Der Erfolg bleibt den Brüdern Junghans treu. 1907 gelingt es Bruder Oskar, einen Radiumwecker und 1912 das erste Radium-Leuchtzifferblatt für Taschenuhren zu entwickeln.

Doch das neue Jahrhundert, das für Junghans so erfolgreich begann, ändert sich von einem Augenblick zum anderen. Der Erste Weltkrieg steht vor der Tür. Die halbe Belegschaft wird zu den Waffen gerufen. Alle Zeiger stehen auf Krieg. Kaum sind die Wirren des Krieges überstanden, da sorgen Währungszerfall und Wirtschaftskrise für neue Schwierigkeiten. Doch auch diese Probleme lösen sich für Junghans schließlich in Wohlgefallen auf. Nach dem Tod von Arthur Junghans führen die vier Söhne Oskar, Erwin, Helmut und Siegfried das Unternehmen weiter. Ihre Devise lautet: „Masse mit Klasse“.

1927 werden bei Junghans die ersten Armbanduhren auf Band gelegt, bei denen es sich im Grunde um nichts anderes als kleine Taschenuhren mit Lederarmband handelt. In gleichen Jahr stirbt Oskar Junghans. Mittels Spar- und Rationalisierungsmaßnahmen versuchen seine Brüder, die Auswirkungen des New Yorker Börsenkrachs aufzufangen, was einigermaßen gelingt. Doch 1933 wird alles noch schlimmer. Die internationalen Geschäftsverbindungen werden Schritt für Schritt gekappt.

Da bei Junghans nach wie vor die Priorität bei den Großuhren liegt, werden 1934 lediglich vier verschiedene Armbanduhrenkaliber gefertigt. Es handelt sich jeweils um ein 8 3/4- und ein 10 1/2 liniges Kaliber mit Anker- oder Zylinderhemmung. Zu diesem Zeitpunkt gibt es übrigens bei keinem deutscher Uhrenhersteller kompliziertere Armbanduhrenkaliber. 1936 arbeitet Junghans erstmals mit einer wasserdichten Kapselung des Werkes.

1945 beginnt die Zeit in Deutschland Das legendäre J88.wieder einmal mit der Stunde Null. Alles liegt in Schutt und Asche oder ist demontiert. Helmut Junghans krempelt die Ärmel hoch und nimmt gemeinsam mit seinen Mitarbeitern den Wiederaufbau in Angriff. Bereits 1946 liegen die Produktionspläne für Armbanduhren mit Stoppfunktion (Chronographen), sowie für die Armbanduhr J 80/85 vor. Der erste (handgeklebte) Katalog erscheint noch 1948. Ihm folgt 1949 der erste Exportkatalog, in dem bereits Uhren mit der Junghans – Stoßsicherung angeboten werden.

Und wie sieht es in diesen Jahren auf dem Arbeitsmarkt aus? Dem Beitrag einer Illustrierten aus dem Jahre 1949 entnehmen wir: „Die Uhrmacherei ist äußerst krisenempfindlich, Im Jahre 1933 zählte man in ihrem Gebiet an die 13.000 Arbeitslose – im August 1948 waren es 44. in diesem Monat nährte die Arbeit an der Uhr ungefähr 53.000 Menschen. Noch einige mehr als in der günstigen Zeit von 1929“.

Die 50er Jahre stehen auch bei Junghans für den kontinuierlichen Wiederaufbau und den Erfindergeist. Die elektrische Uhr wird serienreif, die Entwicklung von Batterie- und ATO-Pendeluhren schreitet zügig voran, und die ersten Experimente mit Quarzwerken gestalten sich Erfolgreich. Die Menschen versuchen, die Kriegsjahre zu verdrängen und frönen ihrem schier unstillbaren Nachholbedürfnis.

Dazu gehören natürlich auch Uhren – passend zur Mode und zur Einrichtung.1951 kommen das erste Kaliber mit automatischem Aufzug und der bereits 1949 zum Patent angemeldete Armbandwecker „Minivox“ auf den Markt. 1952 beginnt die Produktion besonders präziser Armbanduhren, der Junghans- Chronometer. 1953 gelingt mit der „Triastic“ die federnde Aufhängung des Werkes im Gehäuse. Des weiteren werden die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Größe und dem Gewicht des Objekts überwunden.

Das Werk der Damenuhr 79 wiegt 2,9 g und die Unruh nur 0,051 g. Die Uhr am Handgelenk hat ihre Zuverlässigkeit längst unter Beweis gestellt, und der Markt hat sich ihr geöffnet. 1954 produziert Junghans bereits 60 000 „normale“ Armbanduhren und 7 000 Armbandchronometer der Kaliberserie J 82. Ab 1955 werden in Schramberg die ersten Muster einer kontaktlosen Transistor-Armbanduhr erprobt.

Ende 1957 erregt Junghans Aufsehen mit seinen Automatik Kaliber J 83 und J 83.1 mit zusätzlicher Datumsanzeige die als Highlights der junghansschen Armbandchronometer Produktion gelten und auf die man ebenso stolz ist wie auf das ebenfalls in den 50er Jahren entwickelte Chronographen Kaliber J 88, das unter anderem bei der Deutschen Bundeswehr Verwendung findet, als Werk für die Dienstuhren.

Die Zeiten, als man die Armbanduhren noch aufziehen musste, sind nun auch in Schramberg endgültig vorbei. Das Quarzzeitalter beginnt. In Deutschland ist Junghans wieder einmal Vorreiter. 1967 kommt schließlich die erste transistorgesteuerte Herrenarmbanduhr mit Unruhschwinger, die „Dato-Chron“ in den Handel. Im gleichen Jahr wird auch die „Astro Chron“, die erste deutsche Quarz Großuhr, auf den Markt gebracht, und 1969 entwickelt Junghans die „Astro Quartz“. 1972 sorgt Junghans mit seinen quarzgesteuerten Sportzeitmessungsanlagen für Objektivität bei der Medaillenvergabe.

Ebenfalls in diesem Jahr stellt das Unternehmen mit der „Astro Quartz“ die erste Quarzarmbanduhr vor. Seit 1974 fertigt Junghans neben einem kompletten Quarzgroßuhrenprogramm nur noch quarzgesteuerte, elektronische Armbanduhren. Die Mega Quarz Uhr setzt 1978 neue Maßstäbe. Die Ganggenauigkeit dieses Junghans Modells wird mit 0,05 Sekunden pro Tag angegeben. Ein weiterer Meilenstein ist ab 1981 die Serienfertigung des Kompakt Quarwerks 669, das, obwohl nur 2,75 mm hoch, alle Kriterien eines qualitativ hochwertigen und robusten Quarz-Analogwerkes erfüllt.

1986 kommt aus Schramberg die erste Solarquarzuhr weltweit in die Wohnräume, und nicht genug damit, Junghans entwickelt auch die erste funkgesteuerte batteriebetriebene Analoguhr.