Skip to main content

Automatikuhren Test, Vergleich & Ratgeber 2021

Girard Perregaux

Als Gründungsjahr wird in offiziellen Chroniken zur Schweizer Uhrmacherei zwar 1791 genannt, doch musste noch geraume Zeit ins Land gehen, bis in die Annalen der Uhrenmanufaktur auch der Name Girard-Perregaux gelangte.

Da ließen sich auf der einen Seite im Genf jenes Jahres 1791 der damals erst 19jährige Uhrmacher und Juwelier Jean Franrcois Bautte und der Uhrmacher Mouline gemeinsam nieder, um unter dem Namen Mouline & Bautte besonders flache Uhren sowie Schmuckuhren herzustellen. Später kam noch der Uhrmacher Moynier hinzu, mit dem Bautte nach dem Ausscheiden Moulines als Bautte und Moynier firmierte. Nach dem Tode Jean-Francois Bauttes 1837 ging das Geschäft bis 1906 durch die Hände verschiedener Eigner.

Auf der anderen Seite arbeitete etwa ab 1850 in der Ortschaft La Chaux-de Fonds der junge Uhrmacher Constantin Othenin Girard zunächst mit C. Robert zusammen.

Im Jahre 1856, nach seiner Eheschließung mit Marie Perregaux, der Schwester des vorzüglichen Chronometermachers Henri Perregaux aus Le Locle, kam es zur Gründung der Firma Girard Perregaux. Die Symbiose vollzog sich 1906, als Girard Perregaux die frühere Firma des Jean Francois Bautte dazukaufte und damit die Verbindung zum Jahr 1791 hergestellt wurde.

Präzision bestimmte von Anfang an die Maximen der Manufaktur. So gewann Girard-Perregaux zwischen 1866 und 1876 mehrere Male die vom Observatorium in Neuchatel eingerichteten Chronometer Wettbewerbe. Ferner erhielt die Manufaktur zwischen 1867 und 1910 viele Preise und Auszeichnungen für ihre vorzüglichen Chronometer. Insbesondere sorgten die Taschen Chronometer mit 3-Brücken-Werk und Tourbillon immer wieder für Aufsehen.

Die Geschichte der Armbanduhr hat Girard Perregaux zweifellos in besonderer Weise mitbestimmt, denn um 1880 produzierte man in La Chaux de Fonds auf Bestellung der deutschen Kriegsmarine die vermutlich ersten Serien Armbanduhren überhaupt. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wurde es eher ruhig um Girard Perregaux. Erst in den fünfziger Jahren (1957) fand eine besondere Armbanduhr mit automatischem Aufzug, dem System „Gyromatic“, große Beachtung, und 1965 brachte die Manufaktur das erste mechanische Hochfrequenz Werk auf den Markt, dessen Unruh mit 36 000 Halbschwingungen pro Stunde arbeitete. Armbanduhren mit diesem Werk erzielten besonders gute Gangergebnisse und wurden als „Chronometer HF“ mit einem offiziellen Gangzeugnis verkauft.

Im Jahre 1966 richtete Girard Perregaux ein Forschungslabor zur Entwicklung von Quarzwerken ein, dessen Arbeit 1970 durch die erste industriell gefertigte Quarzuhr der Schweiz gekrönt wurde. Damit verschwanden mechanische Uhrwerke für beinahe 20 Jahre aus den Armbanduhren der Manufaktur.

Dem allgemeinen Trend folgend, sind heute Quarz- und mechanische Werke nebeneinander im Verkaufsprogramm. Die mechanischen Werke sind allerdings zugekauft und nicht mehr, wie in früheren Jahren, Girard Perregaux eigene Manufaktur Kaliber.

Im Jahre 1989 erwarb Francis Besson, bis dato Generaldirektor der Firma, aus dem Besitz des Züricher Handelshauses Desco von Schulthess 80% des Aktienkapitals der Girard Perregaux S.A. Gleichzeitig wurde eine weitere Firma ins Leben gerufen, die GP Manufacture S.A., deren Aufgabe es ist, neue Uhrwerke zu entwickeln, herzustellen und an die Aktionäre sowie einige ausgewählte Uhrenfirmen zu liefern. Das Aktienkapital dieser Gesellschaft liegt zu 55% bei Girard Perregaux und zu 45% bei Bulgari, dem bekannten römischen Juwelier, der seine Uhren nun ausschließlich mit Girard Perregaux Uhrwerken bestückt.

Die Präzision von Girard Perregaux ist sehr angesehen. Innerhalb der Werkfertigung herrscht bei GP das Dreifaltigkeitsprinzip: Ausgesuchte, fein dekorierte ETA- oder Lemania Antriebe bilden die Basis für die Kollektionen Richeville und GP 7000 sowie für einige Ferrari – Modelle und den Chronographe Classique. Das eigene Kaliber ist für die sportliche Luxusuhr Laureato samt Chronograph für die Vintage- und für die Classique-Linie reserviert.

Die Steigerung dieser an sich schon bemerkenswerten Arbeitsteilung liegt in den einzeln von Meisteruhrmachern in einem besonderen Atelier gefertigten, anspruchsvollen Komplikationen. Diese Haute Horlogerie genannte Abteilung konzentriert sich auf die Kronjuwelen der Manufaktur Girard-Perregaux, die, gemessen an Glanz, Perfektion und uhrmacherischer Genialität mit den besten Genfer Adressen mithalten können, wobei die inzwischen kunstvoll variierte und zum Teil noch komplexen angereicherte Spezialität des Dreibrücken – Tourbillons eine echte Exklusivität darstellt.

In diesem Atelier entstehen echte Meisterwerke zeitgenössischer Uhrmacherkunst. Dazu gehört natürlich in erster Linie das Dreibrücken – Tourbillon in all seinen faszinierenden Variationen. Es ist gewissermaßen das Ur-Thema von Girard – Perregaux seit 1867, als der Meisteruhrmacher Constant Girard ein erstes Dreibrücken – Tourbillon präsentierte und damit den Beweis erbrachte, dass man Gold auch für die funktionellen Teile des Uhrwerks verwenden konnte, sofern man diese Anforderung in die Konstruktion mit einbezieht. Heute gibt es das Dreibrücken- Tourbillon als authentische Taschenuhr und als raffinierte Armbanduhr-Miniaturisierung in verschiedenen Stufen. Die kunstvoll aus massivem Gold gedrechselten Brücken heißen konkret von oben nach unten bezeichnet:

  • Räderwerkbrücke,
  • Federhausbrücke und
  • Tourbillonbrücke.

Um die an sich schon komplexe Ausführung noch weiter bis an die Grenze des Machbaren zu steigern, gibt es neben einer abermals verkleinerten Damenuhren-Variante eine skelettierte Version, die dem Meisterwerk mit noch mehr Transparenz huldigt. Vor einigen Jahren erkannten die Atelieruhrmacher von Girard -Perregaux die starke treibende Kraft, sowohl physikalisch als auch kreativ gedeutet, die im Dreibrücken – Tourbillon steckt. Es ist bestens geeignet auch andere Komplikationen wie einen Chronographen, eine Repetition und als Parade der letztjährigen Baseler Messe einen Schleppzeiger -Chronographen mit Minutenrepetition und drei Brücken – Tourbillon zum Preis von 330 000 sFr. in Bewegung zu setzen,

Die Bedeutung der eigenen Geschichte wird bei GP zum festen Bestandteil der Kollektion erhoben. Vintage heißt die Linie, die sich frei, und nicht sklavisch an Girard-Perregaux Uhren den vierziger und fünfziger Jahren orientiert. Die limitierte, jeweils auf das Erscheinungsjahr bezogene Vintage-Reihe verströmt klassische Eleganz und gediegene Distinguiertheit. Sie legt sich dabei nicht auf eine Grundform fest, sondern gibt sich stets auf Neue inspirierend von der eigenen Firmengeschichte.

Jedes Jahr entsteht ein neues Vintage-Modell. Besonderes Aufsehen erregte die letztjährige Komposition, ein eigenwillig geformter Schleppzeiger- Chronograph neben dem Dreibrücken- Tourbillon eine der großen uhrmacherischen Spezialitäten von Girard-Perregaux im markanten kissenförmigen „Staybrite“ genannten Design.

So wird der Retro-Look plötzlich zur neuen Avantgarde. Reichlich extravertiert für heutige Zeiten erscheint auch die Vintage Lady von 1997. Sie ist einem Modell von 1937 nachempfunden und lässt im baguetteförmigen Weiß- oder Rosegoldgehäuse den dezenten Luxus der dreißiger Jahre wiederauferstehen.

Die Vintage 1945-Linie huldigt der unkonventionellen rechteckigen Form, wie sie in den dreißiger und vierziger Jahren en vogue war. Strenger Sachlichkeit entkommt das Gehäuse dank seiner dezenten, an Art Deco Elemente erinnernden Applikationen. Als bewusst formulierte Antithese zur Linie Vintage 1945 versteht sich die Kollektion Classique von GP. Beide Linien haben zwar in der Herrenversion das automatische Manufakturkaliber 3000 respektive 3100 gemeinsamen gehen stilistisch jedoch völlig getrennte Wege.

Die Classique-Modelle versöhnen mit zeitlosem Flair und gediegener Machart. Flache Gehäuse, römische Zifferblätter mit Dauphine- oder Breguet-Zeigern zitieren die Belle Epoque der Uhrmacherei.

Ganz anders dagegen die betont sportlichen Modelle Laureato und GP 7000. Die Laureato feierte Anfang der Achtziger fahre Premiere, geriet dann aber in Vergessenheit, um 1995, als die Zeit wiederum reif für ein solch wahrhaft postmodernes Design war, wiederbelebt zu werden. Ihre Eigenständigkeit bleibt aber im Gegensatz zu den anderen GP-Kreationen umstritten, zu viele Gene der Royal Oak und der IWC Ingenieur von 1976, beides Entwürfe von Gerald Genta, mögen da mitspielen. Dennoch genießt die Laureato bei Girard-Perregaux einen hohen Stellenwert, das beweist ihre Auszeichnung mit dem Dreibrücken- Tourbillon. Das Sport Tourbillon a la Laureato rief bei seiner Premiere kopfschüttelnde Bewunderung hervor.

GP provoziert gerne. Imposant der Laureato Chronograph, der plötzlich wie ein völlig neues Modell wirkt und das deja vu Erlebnis des Basisdesigns erstaunlicherweise völlig ablegt. Der GP 7000 ist gegenüber solchen Verdächtigungen immun. Im Gegenteil, sein Design setzte Maßstäbe und rief die Nachahmer auf den Plan. Auch von der Richeville kann man dies behaupten, die als eine der ersten Tonneau-Uhren den Trend einleitete, Alternativen zur klassisch runden Form zu kreieren, besonders gewagt und plakativ gelingt dies dem Richeville Chronographen. Als interessantes Einzelstück mag der Traveller gewertet werden. Eine Weckeruhr mit optimiertem AS 5008-Kaliber, kombiniert mit der Indikation einer zweiten Zeitzone.

Der Streifzug durch die jüngere Geschichte und die aktuelle Kollektion von Girard-Perregaux ist Beweis für die außerordentliche Kreativität der kleinen Manufaktur. Keine Linie erscheint überflüssig, alle zusammen ergeben ein vielfältiges Mosaik gestalterischen Könnens und uhrmacherischen Feingefühls. Aber damit nicht genug. Girard-Perregaux sorgt als echte Manufaktur auch für die essentiellen Dinge der Uhrmacherei. Feinste, kostspielige Haute Horlogerie auf der einen Seite, nachvollziehbare, erschwingliche Serienmodelle mit dem allmählich unverzichtbar werdenden eigenen Automatikwerk moderner Konzeption. Die Unabhängigkeit von Girard-Perregaux und die Triebfeder zumindest in der uhrmacherischen Kompetenz, wenn auch nicht vom Nimbus, zu den ganz Großen zu gehören.