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Automatikuhren Test, Vergleich & Ratgeber 2021

Breguet

Die Geschichte von Abraham – Louis Breguet ist mit der Geschichte der Uhrmacherkunst eng verflochten, denn unzählig und einmalig sind die Patente, Erkenntnisse und Neuerungen, die der geniale Uhrmacher auf diesem Gebiet erringt. Breguet ist französischer Abstammung, geboren wird er jedoch im Jahre 1747 in Neuchâtel, wo seine Eltern nach der Aufhebung des Erlasses von Nantes Zuflucht finden.

Als er zehn Jahre alt ist, stirbt sein Vater, und seine Mutter heiratet erneut, einen Uhrmacher aus der Verwandtschaft. Dieser erkennt bald, dass Abraham Louis ein wirkliches Genie der Uhrmacherkunst ist und schickt den Jungen nach Paris in die Lehre. Nicht einmal dreizehnjährig verlässt er die französische Hauptstadt. Er muss seine Zeit genutzt haben, denn im Alter von 20 Jahren eröffnet er bereits sein eigenes Atelier, wobei er die erworbenen mathematischen Kenntnisse, die ihm später oft eine große Hilfe bei der Ausübung seines Berufes sein werden, in die Praxis umsetzt.

Das jedoch ist nicht sein einziger Vorzug, er erweist sich zudem als geschickter Kaufmann. Er arbeitet stets mit großer Genauigkeit und führt über jede seiner Uhren genau Buch. Um sich vor Fälschern zu schützen, erfindet er zusammen mit Jacques Droz ein geheimes Warenzeichen, das nur bei Gegenlicht unterhalb der 12-Uhr Markierung zu erkennen ist. Anhand des angelegten Registers lassen sich die einzelnen Epochen der Breguet-Produktion sehr gut verfolgen und es ist sogar Herstellungsdatum, sowie Verkaufspreis jedes Meisterwerkes in Erfahrung zu bringen.

Jede Uhr trägt eine fortlaufende Seriennummer, jedoch sind auch schon Wiederholungen in der Nummerierung festgestellt worden. Sir‘ David Lionel Salomons erwähnt in seinem sehr seltenen, im Jahre 1923 mit einer Auflage von nur 550 Exemplaren gedruckten Buch, dass Breguet seine Uhren nur bis zur Zahl 6000 nummerierte, um dann wieder von neuem zu beginnen, es existieren demnach drei Serien. Alle seine Uhren sind wertvolle Meisterwerke, die er auf Bestellung für Königs- und Adelshäuser anfertigt. Auch Königin Marie Antoinette zeigt Begeisterung für die Breguet Uhren, so dass der Maitre für sie ein Meisterwerk mit allen zu der Zeit bekannten Komplikationen baut.

Hier ein teilweiser Auszug einer Beschreibung aus dem Buch von Salomons: „Es handelt sich um eine automatische Minutenrepetition mit ewigem Kalender, Zeitgleichung, Anzeige der Gangreserve, Thermometer und separaten Sekunden. Das Gehäuse ist aus Gold, während auf beiden Seiten Bergkristalle eingesetzt sind. Das Zifferblatt ist ebenfalls aus Bergkristallen und ein Ersatzzifferblatt aus weißem Email gefertigt, die Zeiger sind in Gold gehalten. Das Werk ist bis auf wenige Einzelkomponenten ebenfalls aus Gold. Dem Preis dieser Uhr werden keine Grenzen gesetzt, und als sie nach etwa neun Jahren Arbeit fertiggestellt ist, kostet sie 30 000 Franc.

Die glücklose Königin stirbt noch bevor das Meisterwerk vollendet ist. Generation über Generation gelangt die Uhr in den Besitz der letzten Witwe der Familie Breguet, die sie 1887 für 600 englische Pfund an Sir Spencer Brunton verkauft. Die Uhr wird an seinen Bruder vererbt und schließlich an Mr. Murrey Marks. Sie findet ihren Weg in das Mayer Memorial Institute in Jerusalem, aus dem sie jedoch gestohlen wird.

Im Jahr 1798 nimmt er mit anderen Ausstellern an der nationalen Ausstellung teil wo er seine freie Hemmung mit „konstantem Druck“ präsentiert, und von diesem Zeitpunkt an ist sein Erfolg nicht mehr zu bremsen. Als Napoleon ins Exil geht, hat sich Breguet bereits zum berühmtesten Uhrmacher emporgearbeitet. Selbst Zar Alexander, der in Paris einen Besuch abstattet, nutzt die Gelegenheit, das Atelier des großen Mattre zu besichtigen.

1808, als Breguets Sohn Louis in die Firma eintritt ändert man den Firmennamen in Breguet & Fils. Nach dem Tod von Abraham Louis im Jahre 1823 erhält die Manufaktur unter der Führung seines Neffen Louis Antoine, dem letzten direkten Nachkommen der Breguet-Familie, den Namen Breguet Neveu & Cie.

Er beginnt eine Kooperation mit Edward Brown, einem Engländer, der 1870 Alleineigentümer der Manufaktur wird. Von Generation zu Generation ändert die Manufaktur unter den Browns oft ihren Sitz, bis dann schließlich die Juweliere Jacques und Pierre Chaumet im Jahr 1971 das Unternehmen aufkaufen. Sie versuchen, der Manufaktur den alten Glanz wiederzuverleihen und setzen ihr ganzes Vertrauen auf einen jungen Maitre, den man aufgrund seiner Fähigkeiten quasi als spirituellen Erben von Abraham-Louis Breguet bezeichnen kann. Sein Name ist Daniel Roth. 1987 übernimmt eine internationale Unternehmergruppe die jetzt in Le Brassus ansässige Manufaktur Breguet.

Trotz seiner Genialität bleibt Breguet ein einfacher Mann, der keinen Neid kennt. Zur Zeit der Aufklärung werden der erfinderischen Kraft keine Grenzen gesetzt; Breguet erfindet das Tourbillon. Dem Herzog von Orleans, John Arnold, überreicht er eine Uhr, von der der Herzog so fasziniert ist, dass er nach Paris kommt, um den Maitre persönlich kennen zu lernen und ihn zu bitten, seinen Sohn als Lehrling anzunehmen.

Breguet stattet eine silberne Uhr, die sein neuer Lehrling fertigt, mit seinem berühmten Tourbillon aus und macht sie dem jungen Arnold zum Geschenk. Als Widmung schreibt er: “ Die erste gemeinsame Uhr von Breguet und Arnold mit Tourbillon, als Geschenk zur Erinnerung an Arnold. Für seinen Sohn“.

Breguet ist nicht nur ein Genie, sondern auch ein geschickter Diplomat. Auf einer Soirre bei Talleyrand lässt er aus vorgetäuschter Unachtsamkeit seine Uhr zu Boden fallen, hebt sie jedoch gleich wieder auf und beweist, dass seine stoßsicher gelagerte Unruhwelle in der Lage ist, die Uhr zu schützen.

Aus seinem Buch „Guide de l’Horloger“, das Breguet 1810 zu schreiben beginnt, aber leider nie vollendet, sind viele Zeichnungen und Notizen bis in die heutige Zeit erhalten geblieben. George Daniels, der 1975 ein sehr schönes Buch über Breguet schreibt, zählt in seinem Werk etwa 15 Bereiche der Uhrmacherkunst auf, in denen der Meister seine Genialität unter Beweis stellte.

Unter anderem perfektioniert Breguet den von Perrelet erfundenen automatischen Aufzug, die Quare Repetition, Hemmungen und die Spirale; er entwickelt eine stoßsichere Lagerung für die Unruh, baut eine Uhr für Blinde, bei der man die Uhrzeit am Gehäuse durch Ertasten „ablesen“ kann, sowie die „montre simpatique‘, eine Tischuhr, die über Nacht Aufzug und Zeigerstellung einer Taschenuhr regelt. Sein bekanntester Geniestreich ist jedoch das Tourbillon, das er im Jahr 1795 erfindet und 1801 patentiert; es ist in der Lage, jegliche Schwerkraftfehler auszugleichen.

Breguet teilt seinem Sohn in einem Brief über diese Erfindung mit, eine Lösung für das Schwerkraftproblem gefunden zu haben. Der sogenannte Tourbillonkäfig dreht sich einmal pro Minute um die eigene Achse, so dass sich eventuelle Gangabweichungen gegenseitig aufheben. Breguet – Uhren sind für ihre Ganggenauigkeit ja allgemein bekannt. Seinem Sohn schreibt er ebenfalls: „Man gebe mir das perfekte Uhrenöl und ich baue die perfekte Uhr“.

Besondere Erwähnung verdienen auch seine Souscription – Uhren. Die Idee kommt ihm, als er sich überlegt, eine hochwertige Uhr zu einem erschwinglichen Preis zu bauen. Um diese Uhren der Öffentlichkeit vorzustellen, versendet Breguet einen Rundbrief, in dem er darauf hinweist, dass Uhren für die Astronomie und solche, die bei der Marine eingesetzt werden, nicht genauer sein müssen als diejenigen, die für den normalen Kunden gedacht sind. Zudem bietet er für seine Uhren eine umfangreiche Garantie an und erläutert einige Aspekte seines Uhrendesigns. Außerdem erklärt er, dass er Kapital benötige, um eine Produktion dieser Uhren, die alle die gleichen Merkmale haben sollen, anlaufen lassen zu können und ruft zu einer Spendenaktion auf.

Der Preis der Uhren wird auf 6000 „livres“ festgelegt, wobei ein Viertel der Summe bereits bei der Bestellung eingezahlt werden muss, die Lieferung soll nach dem Bestelleingang erfolgen.

Die Ästhetik seiner Uhren liegt ihm ebenfalls sehr am Herzen. Für die Gehäuse, die oft besonders dekoriert sind, legt er daher häufig einen eigenen Preis fest. Die Guilloche – Arbeiten lassen die Oberfläche aussehen wie Seide. Die Knöpfe, die die Repetition bedienen, sind in verschiedenen Positionen angebracht, und sehr oft wird das Glas durch geschliffenes Bergkristall ersetzt. Seine Etuis sind ebenfalls wertvoll gearbeitet, das Leder bekommt immer Namen und Adresse der Manufaktur eingraviert.

Die Seriennummer ist auf der Vorderseite des Etuis zu sehen, jede Uhr erhält eine Goldkette und einen Schlüssel, um sie aufzuziehen. Jeder Uhr wird ein Zertifikat beigelegt, in dem eine genaue Beschreibung der Uhr, Preis, Namen des Käufers, Herstellungsdatum sowie allgemeine Pflegehinweise aufgeführt sind.

Jedes Zifferblatt ist sehr elegant ausgeführt und die Stundenindikationen sind von besonderer Art, ebenso die Zeiger, die heute noch als Breguet-Zeiger bekannt sind. Eine Eigenart weisen die Zifferblätter mit römischen Zahlen auf, bei denen die 4-Uhr-Indikation nicht als „IV“ erscheint, sondern als „IIII“.

Grund dafür war eine Beschwerde Carls des V., der seinen Uhrmacher anwies, die auf einer Turmuhr angebrachte Zahl „IV“ durch „IIII“ zu ersetzen. Der Uhrmacher Henry De Vick verteidigte sein Werk, aber Carl antwortete darauf: Ich habe immer Recht‘. Die Uhr musste somit abgeändert werden.

Im Jahre 1806 liefert Breguet seinen ersten Chronometer für Seefahrtzwecke aus, und 1815 wird er offiziell mit dem Titel Horloger de la Marine‘ ausgezeichnet.

1818 läuft die Produktion bereits in vollem Umfang, und im Jahr 1822 ist die Breguet – Manufaktur in der Lage, 80 Exemplare auszuliefern. Während für die aktuelle Klassik – Linie der Breguet – Uhren identische Gehäuse verwendet werden erhält das Modell Marine des Jahres 1990 ein Gehäuse, das sich bei der 3-Uhr-Indikation verdickt und somit die Krone schützt, auf der Markenname eingraviert ist. Bei dieser Armbanduhr handelt es sich um die erste von Breguet herausgegebene Sportuhr.

1988 nimmt die Firma das Thema Souscription wieder auf und präsentiert eine Springende Stunde. 1991 liefert man eine Uhren-Kollektion an das Haus Habsburg-Feldmann, das sie als Erinnerung an die großen Uhren der Breguet-Manufaktur zur Versteigerung anbietet. Die Kollektion beinhaltet unter anderem eine Taschenuhr und eine Armbanduhr in Platin und Rosegold. Der Erlös der Armbanduhr mit der Seriennummer „1“ wird der Breguet – Stiftung zugeführt.

Bei der exquisiten Ausstellung „Montres et Bijoux Geneve“ die im November des Jahres 1991 in Rom stattfindet, präsentiert man eine Equation, die zusammen mit Chronographen, Skelettuhren, Ewigen Kalendern und vor allem mit dem in Basel 1988 vorgestellten Tourbillon an das Lebenswerk des Gründers erinnern soll.