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Automatikuhren Test, Vergleich & Ratgeber 2021

Blancpain

In der kleinen Ortschaft Villeret, im Tal Erguel, wurde 1560 Imerion Beynon, genannt Blanpan geboren. Auf ihn geht die direkt nachzuvollziehende Linie der Uhrmacher – Dynastie Blancpain zurück.

Der Chronik nach gelangte die Uhrmacherei durch Jehan Jacques Blancpain in die Familie. Er, der zuvor seinen Lebensunterhalt als Landwirt verdient hatte, richtete 1735 in seinem aus dem Jahre 1636 stammenden, und am Ufer des Flüsschens Suze gelegenen Bauernhaus eine Uhrmacherwerkstatt ein. Zunächst wurden bei Blancpain Teile für Taschenuhren, später komplette Rohwerke und schließlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollständige Uhren gefertigt, die bereits in ganz Europa ihre Käufer fanden.

Bedingt durch das stete Wachstum wurde das öfter umgebaute und erweiterte Bauernhaus 1863 endgültig zu klein und erforderte den Neubau eines Fabrikgebäudes, ebenfalls in Villeret, durch den damaligen Firmeninhaber Jules-Emile Blancpain.

Von der Firmengründung bis zum Jahre 1932, als Frederic Emile Blancpain im Alter von 69 Jahren starb, war die Firma beständig und ohne Unterbrechung von Vätern auf Söhne übergegangen, was auch in der traditionsverbundenen Schweiz in der Presse als Besonderheit vermerkt wurde. Damit ging jedoch auch die Ära der Blancpains in der Chronik dieses Uhrenherstellers zu Ende.

Die Geschichte der Armbanduhr hatte Blancpain bereits in den zwanziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts entscheidend mitgeschrieben. 1926 wurde in Villeret ein Prototyp der berühmten „Harwood“ hergestellt, und ab 1929 diese erste Serien Armbanduhr mit automatischem Aufzug für den französischen Markt produziert.

Ebenfalls noch unter der Ägide des letzten Blancpain kam 1930 ein Kontrakt mit der Leon Hatot S.A., Paris, zustande, der Blancpain die Lizenz zur Produktion der „Rolls“ erteilte, einer rechteckigen Armbanduhr mit automatischem Aufzug durch hin- und her „rollen“ des Werkes im Gehäuse. Dieser Lizenzvertrag garantierte Hatot über mehrere Jahre hinweg eine jährliche Mindestsumme von 1 Million französischer Francs.

Nach dem Ableben F. Emile Blancpains lebte die Firma für beinahe 40 Jahre als Rayville S.A. fort, ein Name, der als phonetisches Anagramm des Firmensitzes Villeret zustande kam. Die hergestellten Uhren und Werke trugen aber weiterhin den wohlklingenden und bekannten Namen der Gründerfamilie.

Im Jahre 1970, als die Schweizer Uhrenindustrie immer tiefer in eine umfassende Strukturkrise geriet, wurde Rayville von dem Uhrenkonzern SSIH (u. a. Omega und Tissot) übernommen. Allerdings nicht in der Absicht, eine traditionsreiche Uhrenmarke weiterleben zu lassen, sondern eher um vorhandenes Know-how zu erwerben.

Knapp 250 Jahre nach ihrer Gründung am 9. Januar 1983 erlebte der Name Blancpain eine Wiedergeburt, als Jean Claude Biver, ein Omega Manager, und Jacques Piguet, Sohn des Rohwerke Fabrikanten Frederic Piguet, den Namen erwarben und die Produktion von Blancpain Armbanduhren in Le Brassus, Vallee de Joux, wieder aufleben ließen. Der langen Firmentradition verbunden, werden nur mechanische Uhrwerke verwendet, eingeschalt in runde Gehäuse.

Erster großer Erfolg waren 1983 Armbanduhren mit einfachem Kalendarium und Mondphasenanzeige. Es folgten Armbanduhren mit „ewigem“ Kalender, Minutenrepetition, Chronograph oder Chronograph Rattrapante, alle hergestellt in klassischer Uhrmachertradition, wie sie einst bei den Blancpains in Villeret gepflegt wurde.

Als erstes Modell der neue Blancpain – Manufaktur, die auch bei den Banken großes Vertrauen geniest und so auch über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, präsentiert man 1984 eine mechanische Mondphasenuhr für Damen mit Handaufzug. Ein Jahr später erscheint die automatische Version dieser Uhr. Von Frederic Piguet stammt auch das Werk, das einer weiteren Damenuhr mit zentraler Datums- und Sekundenanzeige zum Einsatz kommt.

Sie weist eine Gesamthöhe von nur 3,2 mm und einen Durchmesser von 21 mm auf. Von der Ästhetik her bevorzugt man bei Blancpain für das Gehäuse runde Form. Wenn man etwas ausfallendes realisieren wolle, so die Firmenphilosophie, solle man sich lieber auf die inneren Werte einer Uhr konzentrieren.

Diesem Motto entsprechend werden immer kompliziertere Uhren hergestellt. Neben den automatischen Uhren fertigt man nun Chronographen und Ewige Kalender, die, wenn sie nicht gerade als Einzelstücke gedacht sind, in streng limitierter Auflage produziert werden.

Im Jahr 1986 zeigt Blancpain in Basel zwei Modelle: eine Minutenrepetition und einen Tourbillon. Für die Minutenrepetition waren über zwei Jahre Entwicklungsarbeit und ein bedeutender finanzieller Aufwand notwendig gewesen. Die Mühe sollte sich jedoch lohnen. Auf der Messe erntet der Prototyp großen Beifall, so groß, dass die Manufaktur nicht in der Lage ist, den Bestellungen nachzukommen.

Zwei weitere Spitzenuhren folgen: ein automatisch – mechanischer Chronograph mit extrem flachem Werk und einer Gesamthöhe von nur 5,25 mm sowie ein Schleppzeiger- Chronograph mit einer Höhe von 6,75 mm. 1990 stellt man einen modifizierten und verbesserten Tourbillon mit Datum und Gangreserve von acht Tagen vor.

Während die Mechanik der Uhren entweder von Frederic Piguet stammt oder in Zusammenarbeit mit Blancpain entsteht, wird die Feinbearbeitung ausschließlich von den Maitres Horlogers der Blancpain- Manufaktur ausgeführt. Diese enge Kooperation ergibt sich vor allem auch dadurch, dass sich beide Unternehmen ein Gebäude teilen.

Auf der Baseler Messe stellt Blancpain 1991 auf seinem in neoklassischem Stil eingerichteten Ausstellungsstand sechs Armbanduhren vor, die dem Uhrenliebhaber in einer Schmuckschatulle präsentiert werden. Alle sechs Meisterstücke haben das gleiche runde Platingehäuse. Unterdessen konkretisiert sich das ehrgeizige Projekt, in einer einzigen Uhr alle bisher bekannten Komplikationen zu vereinen. Es entsteht die „1735“, die Ende 1990 auf internationalen Pressekonferenzen vorgestellt worden ist.

1991 wird das Meisterwerk in Basel und auf der „Montres et Bijoux Geneve“, der berühmten Ausstellung der Genfer Juwelen, gezeigt, die in jenem Jahr zum ersten Mal in Rom in einem der edelsten päpstlichen Paläste stattfindet. Die „1735“, nach dem Gründungsjahr der Manufaktur benannt, besitzt ein ultraflaches Werk, einen ewigen Kalender mit Mondphasenindikation, einen Chronographen mit Schleppzeiger sowie ein Tourbillon und eine Minutenrepetition.

1992 feiert in Basel ein neuer Schleppzeiger – Chronograph mit ewigem Kalender, Mondphase und einer Höhe von 6,95 mm seine Premiere, Parallel dazu stellt man einen Auto-Chrono mit ewigem Kalender und Mondphasen sowie wundervolle Damenuhren vor.

Einige Monate später erklärt Biver in einem Interview, es sei sein größter Wunsch, Blancpain auch in Zukunft auf der im Laufe der Jahre erarbeiteten Position zu sehen. Er fügt hinzu, dass er mittlerweile zwar mehrere Managementangebote, unter anderem auch von branchenfremden Unternehmen, bekommen, aber immer in der Überzeugung abgelehnt habe, dass man „nur eine Sache wirklich gut machen könne“.

Zudem äußert er sich positiv über die Firmensituation die ebenfalls für die Erfolge der letzten 10 Jahre sprechen, unter anderem, dass er im Mai Bestellungen für 628 Exemplare erhalten, jedoch 637 habe ausliefern können.

Er versucht zwar, das Gerücht über einen anstehenden Verkauf der Firma zu zerstreuen, kann aber den Eindruck nicht entkräften, dass es sich vielleicht um einen strategischen Schachzug handeln könnte, der die Öffentlichkeit auf diesen Verkauf vorbereiten soll. Tatsächlich erklärt die SMH Anfang Juni, sowohl Blancpain als auch die Manufaktur von Frederic Piguet übernommen zu haben.

Die Uhrenproduktion soll unverändert fortgesetzt und vielleicht um einige Modelle, die nicht ganz so kostspielig und exklusiv wie die jetzigen ausfallen sollen, erweitert werden. Grund dafür sind die oft extrem langen Herstellungszeiten von einzelnen Modellen.